Wie alles begann
1996 begann für mich das Abenteuer Gleitschirmfliegen. Als Flugschüler machte ich meine ersten Erfahrungen mit Schirm, Wind und Starttechnik. Meine ersten Flüge am Buchenberg und mein erster Windenstart gehören zu den Erinnerungen, mit denen meine Begeisterung für das Gleitschirmfliegen begann.
1997 – A-Schein und Windenschlepp
Im Mai 1997 erwarb ich den A-Schein, den beschränkten Luftfahrerschein für Gleitschirmflieger. Damit durfte ich selbstständig in der Umgebung zugelassener Fluggelände fliegen.
Ebenfalls 1997 erlangte ich die Winden-Schleppstartberechtigung. Damit kam neben dem Hangstart eine weitere Startart hinzu.
1998 – B-Schein und Monte Grappa
1998 absolvierte ich die Ausbildung für den unbeschränkten Luftfahrerschein, den B-Schein. Dazu gehörte auch die Ausbildung zur Ausübung des Flugfunkdienstes. Mit der Überlandberechtigung eröffnete sich für mich die Möglichkeit zu Flügen über die unmittelbare Umgebung eines Fluggeländes hinaus.
Im selben Jahr flog ich erstmals am Monte Grappa in Italien. Dieses Fluggebiet sollte mich auch in den folgenden Jahren immer wieder begleiten.
1999 bis 2000 – Windenführer und Passagierflüge
1999 begann ich die Ausbildung zum Windenführer, die ich im März 2000 mit der Windenführerberechtigung abschloss.
Nach der theoretischen und praktischen Ausbildung für Passagierflüge erhielt ich im Januar 2000 die Berechtigung, doppelsitzige Gleitschirmflüge mit Passagieren durchzuführen.
2000 bis 2001 – Motorschirmfliegen
Im weiteren Verlauf des Jahres 2000 begann ich die Ausbildung zum Ultraleichtflugzeugführer für Motorschirme. Im Juli 2001 bestand ich die Prüfung und erwarb die entsprechende Berechtigung.
Meine ersten Fluggebiete im Ostallgäu
Meine ersten fliegerischen Erfahrungen machte ich am Buchenberg im Ostallgäu. Gestartet wird dort aus einer bergab führenden Waldschneise. Der Wind wird durch die Schneise geführt und kommt dadurch praktisch immer von vorn – für einen Flugschüler fast ein Startplatz mit „Startgarantie“.
Ganz anders war mein erster Eindruck vom nahe gelegenen Tegelberg. Zu meiner Ausbildungszeit gab es dort zwei Holzrampen als Startplätze: eine große Rampe, auf der ein Gleitschirm ausgelegt werden konnte, und daneben eine kleinere, die den Hängegleitern vorbehalten war.
Als ich die große, nach Norden ausgerichtete Rampe zum ersten Mal betrat, fiel mir das Herz in die Hose. Von oben sah es für mich so aus, als ende die Rampe mitten in der Luft und dahinter beginne unmittelbar der Abgrund. Ich sagte zu meiner Fluglehrerin:
„Das war es für mich. Hat Spaß gemacht bis hier – aber über diese Rampe starte ich nicht.“
Meine Fluglehrerin ließ mich den Tragerucksack ablegen, nahm mich bei der Hand und führte mich zum unteren Rand der Rampe. Erst dort sah ich, dass es hinter dem Ende vielleicht einen Meter hinunterging und darunter ein Weg, Büsche und eine Wiese lagen. Ein abgebrochener Start wäre also kaum gefährlicher gewesen als am Buchenberg. Der vermeintliche Abgrund war vor allem eine Frage der Perspektive.
Besonders eindrucksvoll war anschließend das Fliegen in unmittelbarer Nähe von Schloss Neuschwanstein. Im Schlosshof waren regelmäßig große Gruppen japanischer Touristen mit ihren Kameras unterwegs. Deshalb vermute ich bis heute mit einem Augenzwinkern, dass mein Gleitschirm in so manchem japanischen Fotoalbum verewigt sein dürfte.
Weitere Flugberge im Ostallgäu
Weitere Flugberge in diesem Gebiet waren der Säuling und der Breitenberg sowie, weiter in Richtung Tannheimer Tal, der Hahnenkamm bei Reutte und das Neunerköpfle im Tannheimer Tal.
Als ich zum ersten Mal am Breitenberg startete – natürlich noch unter Aufsicht meiner Fluglehrer – setzte schon früh am Tag die Thermik ein. Überall ging es gut nach oben. Für mich wurde daraus praktisch mein erster richtiger Thermikflug.
Dass diese Entwicklung nicht so ganz nach dem Geschmack meiner Fluglehrerin war, merkte ich an einem Funkgespräch mit ihrem Kollegen. Der sagte schließlich:
„Lass ihn nach Füssen fliegen.“
Also flog ich in Richtung Füssen. Unterwegs durfte ich ein paar Kreise fliegen und auch einmal umkehren, sodass ich nach und nach meine Höhe abbauen konnte.
Für mich war das alles völlig neu und entsprechend aufregend: Zum ersten Mal erlebte ich, dass ein Gleitschirmflug nicht nur aus Start, Abgleiten und Landung bestehen musste, sondern dass die Thermik einen wieder nach oben tragen konnte.
Später, nach Abschluss meiner Ausbildung, hatte ich am Hahnenkamm bei Reutte ein Erlebnis, das mir noch lange in Erinnerung blieb.
Die thermischen Verhältnisse waren an diesem Tag so gut, dass ich in einem kräftigen „Bart“ immer weiter nach oben getragen wurde. Eine Zeit lang kreiste ich dort gemeinsam mit zwei Segelflugzeugen. Da mein Wendekreis mit dem Gleitschirm wesentlich kleiner war als der der Segler, konnte ich die Thermik gut zentrieren.
Irgendwann verschwanden die beiden Segelflieger und ich stieg allein weiter – schließlich bis auf etwa 3.200 Meter.
Nach der Landung bekam ich allerdings ziemlichen Ärger mit einheimischen Gleitschirmfliegern. Offenbar war ich in einen kontrollierten Luftraum im Bereich des Flughafens Innsbruck eingeflogen.
Beim Start war mir überhaupt nicht bewusst gewesen, dass ich dort auf einen solchen Luftraum achten musste. Das war allerdings keine Entschuldigung: Bevor ich auf einen Überlandflug ging, hätte ich mich über die Luftraumstruktur informieren müssen.
Es war eine Lektion, die glücklicherweise ohne Folgen blieb. Oder anders gesagt:
Auch aus „Glück gehabt“ wird man klug.
Vom Flachland in die Berge
Als „Flachlandtiroler“ habe ich natürlich nicht das Glück, direkt vor der Haustür von guten Flugbergen umgeben zu sein. Einige geeignete Startplätze gibt es zwar auch in erreichbarer Nähe, zum Beispiel am Rammelsberg bei Goslar, am Ith bei Dielmissen oder bei Börry im Weserbergland. Dazu kommen verschiedene Möglichkeiten für den Windenstart.
Beim Windenstart erreicht man allerdings nur eine begrenzte Ausgangshöhe – häufig nicht mehr als etwa 300 Meter über Grund. Gute Piloten schaffen es, aus solchen Höhen Thermikanschluss zu finden und daraus noch richtig Höhe und Strecke zu machen. Zu diesen Könnern habe ich mich allerdings nie gezählt.
Das lag sicherlich auch am fehlenden regelmäßigen Training. Hinzu kam, dass ich mit dem Gleitschirmfliegen relativ spät begonnen hatte. Ich war damals schon knapp 50 Jahre alt.
Ich habe es für mich irgendwann so ausgedrückt: Die jungen Leute fliegen mit dem Bauch – ich muss mit dem Kopf fliegen. Was bei ihnen irgendwann beinahe automatisch abläuft, muss ich mir stärker bewusst machen. Dadurch werden meine Entscheidungen und Reaktionen langsamer – und manchmal stehe ich eben schon wieder am Boden, während andere noch lange weiterfliegen.
Deshalb habe ich für mich eine andere Lösung gefunden: Statt jedes Wochenende irgendwo einem brauchbaren Flugtag hinterherzufahren, verlegte ich mich darauf, ungefähr dreimal im Jahr für jeweils eine Woche auf betreute Gleitschirmreise zu gehen.
Dabei war ich mit anderen Piloten unterwegs und hatte Fluglehrer dabei, die das jeweilige Gebiet und die Bedingungen kannten. So bekam ich konzentriert Flugpraxis, konnte neue Fluggebiete kennenlernen und hatte gleichzeitig fachkundige Betreuung.
Und ganz unwichtig war ein weiterer Vorteil auch nicht:
Meiner Frau war diese Art des Gleitschirmfliegens wesentlich lieber.